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"Henrich von den Kotten" steht ganz oben auf dem
großen Blatt, geschrieben mit Bleistift auf Millimeter-Papier.
Und soviel ist klar: Der Mann heiratete 1659 und starb 1726. Geboren
wurde er um 1634. Heinrich von den Kotten ist ein Vorfahr von Gerd
Heinrich Hedtkamp, der älteste, den er ermitteln konnte. Hedtkamp
selbst steht fast ganz unten auf dem großen Papier, unter ihm nur
noch seine beiden Kinder.
Jahre hat Hedtkamp gebraucht, um das große
Blatt zu beschreiben. 1984 fing er an. Damals gab ihm seine Schwester
einen Ahnenpass. Und Hedtkamp fragte sich, was sich wohl alle
Ahnenforscher anfangs fragen: Woher kommt eigentlich meine Familie? Es
folgte der erste Urlaub, in dem er in Schwerte zwei Wochen lang
Kirchenbücher wälzte. Weiter ging's mit Behördenbriefe,
Reisen und Besuchen bei Standesämtern.
Im Urlaub bei Standesämtern
Hedtkamp ist Mitglied der Bezirksgruppe Essen der
Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Einer von den 40,
die sich am Donnerstag vergangener Woche im Hotel Essener Hof beim
"Genealogischen Stammtisch" trafen. 70 Mitglieder hat die Gruppe
insgesamt.
Ihr Vorsitzender Michael Ludger Maas hat schon
Einsteiger-Kurse in Genealogie (Ahnenforschung) gegeben. Wie und wo
sollte der Hobby-Familienforscher also anfangen? Ganz einfach mit
Fragen an die Lebenden. Man sollte Eltern, Großeltern, Verwandte
fragen: Wann wo wurde wer geboren,hat geheiratet, ist gestorben? So
entsteht ein Geflecht von Dreiecken, deren jeweils untere Ecke man
selbst und die anderen beiden Mutter und Vater bilden. Bringt das
Fragen nichts mehr, heißt es, in Omas Schubladen nach Papieren zu
wühlen.
Irgendwann kommt dann der tote Punkt. Dann
kann man auf das zurückgreifen, was am Donnerstagabend vorgestellt
wurde, auf "Fazit" (Familienzusammenführung im Team). Dr. Dorothee
Rohmann und ihr Team präsentierte im Essener Hof ein
Computer-Programm zur Erfassung und zum Vergleich von Familiendaten.
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Überhaupt scheinen PC und Scanner die Karteikarten inzwischen
abgelöst zu haben. Alte Kirchenbücher etwa, die als Quelle
der Familienforschung gelten, werden von fleißigen Genealogen
eingescannt oder abfotografiert, auf dass der nächste nicht die
gleiche Sucharbeit hat wie man selbst.
Trotzdem sagt Hedtkamp: "Fünf krieg'
ich nicht unter die Erde." Sprich: Von fünf seiner Ahnen hat er
keine Sterbedaten. Wahrscheinlich, weil sie alte Fuhrleute waren, und
irgendwann und irgendwo unterwegs starben. Aber er hofft weiter, denn
Ahnenforschung ist immer für eine Überraschung gut. Nicht
wenig verwundert war etwa einer seiner Bekannten, als er herausfand,
dass er aus einer Familie von Scharfrichtern kam. Ja, "das Ganze ist
schon sehr interessant", sagt Hedtkamp. Und wenn seine Frau sagt,
"beschäftige dich doch nicht mit Toten, beschäftige dich mit
Lebenden", antwortet er: "Die Toten ärgern mich aber nicht".

Sie kennen viele ihrer Vorfahren
(v.l.n.r.): Dorothee Rohmann, Michael Maas und August Hucklenbroich.
NRZ-Foto: mano
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